Eine kurze Geschichte unseres Gymnasiums

Im Jahre 1850 erhielt der Markt Oberhollabrunn entsprechend der neuen Verwaltungsreform im Kaiserreich Österreich die Bezirkshauptmannschaft zugesprochen. Damit begann der stetige Aufstieg von Hollabrunn während der viel zitierten „Gründerzeit“ unter Kaiser Franz Joseph I. zu einer Bezirkshauptstadt mit verschiedensten Zentralfunktionen. Schon 1865 waren die Bemühungen der Stadtväter um eine höhere Bildungsanstalt von Erfolg gekrönt. Die Gründung eines Gymnasiums verlief in mehreren Schritten: Am Anfang stand eine Unterrealschule, die aber schon 1870 in eine k. k. Oberrealschule umgewandelt wurde. Binnen kürzester Zeit wurde ein neues Schulgebäude am Kirchenplatz errichtet.

Da sich die Schülerzahlen in den Anfangsjahren auf sehr niedrigem Niveau bewegten, wurde 1881 das erzbischöfliche Knabenseminar von Wien nach Oberhollabrunn verlegt. Ab diesem Zeitpunkt gab es regen Zustrom an Schülern. Das Einzugsgebiet erstreckte sich von nun an weit über die Grenzen des Bezirkes Hollabrunn hinaus über das gesamte Weinviertel. Das K. k. Staatsgymnasium und das erzbischöfliche Knabenseminar bildeten über beinahe hundert Jahre eine gut aufeinander abgestimmte Einheit. Dem entsprechend war eine humanistische Erziehung erklärtes Bildungsziel. Griechisch, Latein, Geschichte und Philosophie bildeten einen Schwerpunkt im Fächerkanon. Unzählige Geistliche, Mediziner, Juristen, Lehrer und Künstler, aber auch bedeutende Politiker, gingen während des gesamten 20. Jahrhunderts aus dieser Schule hervor. Ab 1911 besuchten die ersten Mädchen das Gymnasium!

Die wechselvolle Geschichte im vorigen Jahrhundert - zwei Weltkriege und unselige politische Wechselspiele - haben natürlich auch tiefe Spuren im Schulalltag unserer Anstalt hinterlassen. Mit der Schulreform von 1962 erfolgte die Umwandlung des Gymnasiums in eine „Allgemein höher bildende Schule“. Gleichzeitig erfolgte die Teilung der Oberstufenklasen in einen humanistischen, einen realistischen und einen neusprachlichen Zweig mit Französisch als zweiter lebender Fremdsprache. Durch den ständigen Zustrom an Schülern platzte das alte Stammhaus am Kirchenplatz in den 1960-er Jahren mit über 400 Schülern beinahe aus allen Nähten. Deshalb wurde die ehemalige „Kaiser Franz Josephs Jubiläums-Lehrerbildungsanstalt“ in der Reucklstraße als neues Schulgebäude umgebaut. Diese Anstalt beherbergte schon einmal, 1936, eine Dependance des Gymnasiums. Die weithin sichtbare Lehrerbildungsanstalt war anlässlich der Stadterhebung von Oberhollabrunn im Jahre 1908 errichtet worden. Ihre großzügige Anlage am Rande der Stadt bot den nötigen Platz für die neuen Ansprüche. Das schmucke Renaissancetürmchen galt den Hollabrunnern von Beginn an als Wahrzeichen ihrer Bezirkshauptstadt.

Im Dezember 1964, ziemlich genau nach 100 Jahren seit der Gründung des Gymnasiums am Kirchenplatz, erfolgte die Übersiedlung in das gegenwärtige Schulgebäude, in die Reucklstraße 9. Schon nach kurzer Zeit wurde mit 783 Schülern im Schuljahr 1984/85 ein neuerlicher Höchststand erreicht. So stand nach dreißig Jahren wiederum die Frage nach einer Vergrößerung im Raum. Schon 1996 konnte der großzügige Zubau mit modernsten Sonderunterrichtsräumen, großen Turnsälen und neu gestalteten Außenanlagen eröffnet werden.

Das moderne „Bundes- und Bundesrealgymnasium“ des 21. Jahrhunderts besteht nun, wie der Name schon besagt, aus zwei getrennten Zweigen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Im gymnasialen Zweig stehen von der 1. bis zur 8. Klasse eine breite Allgemeinbildung mit der Vertiefung in den lebenden Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch als Freifach im Vordergrund. Im Realgymnasium bilden die naturwissenschaftlichen Fächer und der Einsatz des Computers einen zusätzlichen Schwerpunkt. Hier sind die Oberstufenklassen durchgehend vernetzt, das heißt sie werden als Laptop-Klassen geführt. Seit 2009 gibt es zwei weitere Neuerungen. In den 1. Klassen werden mit einer New- („Neugierde erzeugt Wissen“) und einer Fit-Klasse neue Lehr- und Lernmethoden sowie die tägliche Sportstunde eingeführt.

Jede moderne Bildungseinrichtung lebt von der Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die funktionierende Schulpartnerschaft am BG-BRG Hollabrunn zeigt sich in den zahlreichen Projekten, die von Eltern, Lehrern und Schülern gemeinsam gestaltet werden. Das Schulfest, der Gymnasiumball, das Eltern-Lehrer-Schülertheater und viele andere Projekte, die den Schulalltag ergänzen und bereichern, geben ein deutliches Bild davon. Im Schuljahr 2009/10 besuchen 651 Schüler unser Gymnasium. In 29 Klassen werden die Schüler von 65 Lehrkräften nach modernsten pädagogischen Gesichtspunkten unterrichtet. Im Durchschnitt legen an dieser Anstalt 45 Kandidaten pro Schuljahr erfolgreich die Matura ab. Im Mai 2009 wurde Frau Mag. Jutta Kadletz zur Direktorin bestellt.

Maturanten im Vergleich 1885 – 2008

Mag. Gerhard Hasenhündl

 

 


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